Aller Anfang ist schwer

 Tagebuch

Aller Anfang ist schwer – Der Grundstein einer Existenzgründung

(August, 2015)

Seit nun bald einem Jahr bin ich mit den Vorbereitungen für FairTale zu gange.

Es ist eben kein Kinderspiel hier in Deutschland selbstständig ein Unternehmen zu gründen, mit welchem ich von mir genähte Fairtrade-zertifizierte Bekleidung verkaufen möchte.

Angefangen habe ich mit einem Gründungskonzept und vielen Beratungsgesprächen.

Es galt erstmal fest zustellen, ob sich die gute Idee auch rentiert. So lagen verschiedene Meinungen zwischen Begeisterung und Skepsis. Da ich aber von meinem Konzept überzeugt bin, hab ich mich möglichst nicht unter kriegen lassen.

Klar, es gibt viele Hürden, aber die meisten Vorbereitungen habe ich schon überstanden.

Den grundlegenden Stein habe ich mit meinem Markennamen FairTale legt.

Hierfür habe ich mir den Namen beim deutschen Patent- und Markenamt für 290€ schützen lassen.

Nachdem ich also mehrmals mein Gründungskonzept überarbeitet hatte und endlich das Markenpatent erhielt, schlug ich den ersten Schritt ein und meldete mein Gewerbe bei der Stadtverwaltung Münster an. Nun stand also das Gründungsdatum fest: der 1. August 2015.

Und was war bei der Gewerbeanmeldung zu berücksichtigen? Anmeldung als Handwerk oder Händler?

Ich bin gelernte Damenmaßschneiderin aber möchte keine Maßanfertigungen anbieten, sondern Kollektionen mit geringer Stückstahl herstellen und vertreiben. Maßschneider bzw. jegliche Schneider gehören laut der Handwerkskammer zu den zulassungsfreien Handwerken. Dies bedeutet, man braucht keinen Titel mehr um ein Schneiderlein zu sein. Allerdings heißt dies nicht, dass man diesen Beruf ausüben dürfte, ohne Kohle ab zu drücken. Denn die HWK hat es sich so gelegt, dass selbst alle handwerksähnlichen Berufe bei der Kammer eingetragen werden müssen. Und dies trägt einige Konsequenzen mit sich.

Folglich gilt für die Gewerbeanmeldung die Art des angemeldeten Betriebes als: Handwerk, Handel und Sonstiges.

Nachdem man 20€ für die Gewerbeanmeldung bezahlt hat, wird diese nun abgeschlossen.

Die Handwerkskammer und das Finanzamt werden von der Anmeldung informiert, aber da dort alles etwas dauern kann, empfiehlt es sich selbst drum zu kümmern.

So ist also in meinem Fall die Eintragung in das Verzeichnis der zulassungsfreien Handwerke bei der HWK verpflichtend. Folglich hat man einen Handwerkskammerbeitrag zu leisten, wobei großzügigerweise das erste Jahr bei dem ersten Gewerbe entfällt. Stattdessen hat man nur die Gebühren für die Eintragung zu zahlen. Nachvollziehbarerweise beträgt diese Summe 120€. Ansonsten gilt für mich als voraussichtlicher Jahresbeitrag 150€ plus einen Zusatzbeitrag für Auszubildene, der mir nicht näher bekannt ist. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich bei meiner drei jährigen schulischen Ausbildung zur Damenmaßschneiderin keinen einzigen Cent von der Kammer erhalten habe. Ich durfte lediglich über 500€ für die Gesellenprüfung bezahlen. Wie vielleicht heraus zu hören ist, befürworte ich nicht das System, wie es jetzt noch bei der HWK ist. Aber immerhin gibt es keine Zunft mehr, bei der ich über 10.000€ für einen Meistertitel zahlen muss um überhaupt ein Schneiderlein sein zu dürfen.

Die HWK bietet jedoch kostenfreie Beratungsgespräche an. Im Bereich für Textilien habe ich in Münster einen Berater, der mir bereits gut geholfen hat und ich gerne weiter empfehle.

Weiter geht es mit der Anmeldung beim Finanzamt. Hierfür habe ich den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung eingereicht. Ich habe mich für die Kleinunternehmerregelung als Einzelunternehmer entschieden, da mein Jahresumsatz wohl unter 17.500€ sein wird.

Zu einem Betrieb, selbst wenn dieser Zu Hause angemeldet ist, gehört eine Betriebshaftpflichtversicherung.

Eine Privathaftpflichtversicherung, sofern noch keine vorhanden war, ist ebenfalls von nöten.

Aber wie ist das alles überhaupt finanziell möglich?

Als Arbeitslosengeld-II-Bezieher bietet sich einem die Möglichkeit als Existenzgründer das Einstiegsgeld zu beantragen. Zum Antrag der vorgefertigten Fomularen gehört das Einstiegsgeld  (ESG) und die Anlage EKS wo u.a. genaue Ein- und Ausgaben des Betriebs für jeden Monat eines halben Jahres gemacht werden müssen. Zum Antrag des Einstiegsgeldes gehört auch das ausführliche Gründungskonzept mit Kalkulations- und Investionsplanung, Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplanung, der Nachweis der erlaubten selbstständigen Tätigkeit (hier: Eintragung Zulassungsfreie Handwerke), die Gewerbeanmeldung sowie die Stellungnahme einer fachkundigen Person (z.B. von der HWK).
Mein Gründungskonzept umfasst mit Anhängen insgesamt 53 Seiten. Mit diesem Gründungskonzept und dem 16 seitigen Antrag habe ich mich also für  das Einstiegsgeld im Rahmen einer vollzeitigen Existenzgründung beim Jobcenter beworben. Der ganze Aufwand hierfür hat mich viel Kraft gekostet aber ich bin sehr dankbar, dass es diese Möglichkeit gibt. Denn um solch ein Unternehmen zu gründen schlägt tief in die Kasse und wo soll man die Zeit hernehmen es aufzubauen, wenn man dazu wo anders arbeitet? Dies ist mir schier nicht möglich und so will ich dieses Programm allen empfehlen, die sich ernsthaft selbstständig machen wollen.

Ich hoffe, ich konnte euch einen Einblick in die Gründungsanfänge von FairTale bieten und eventuell Motivation und Einstiegshilfen für eine eigene Gründung.